Irgendwo in Nordrhein-Westfalen. Es ist 8.30 Uhr und der erste Tag einer neuen Prüfung. Im Foyer des Rathauses einer Stadt trifft sich unser Prüfteam. Einige Wochen zuvor hat der Innendienst aus der Zentrale der GPA NRW in Herne die Stadt über unser Kommen informiert.
Sie wurde aus den 396 Städten und Gemeinden des Landes Nordrhein- Westfalen für unser Prüfteam als nächste zu prüfenden Kommune ausgewählt. Die Bandbreite der Prüfungen erstreckt sich von Dahlem im Kreis Euskirchen, mit 4.300 Einwohnern die kleinste Kommune Nordrhein-Westfalens, bis zur Millionenstadt Köln, den 31 Kreisen, den beiden Landschaftsverbänden und einer Vielzahl von Zweckverbänden wie Volkshochschulen oder Musikschulen. Bei der konkreten Auswahl der Kommunen wird vor allem auf eine vergleichbare Größenordnung geachtet (aktuell werden beispielsweise fast ausschließlich mittlere kreisangehörige Städte mit 25.000 bis 60.000 Einwohnern geprüft).
Die Zusammensetzung unserer Prüfteams orientiert sich einerseits an den Wohnorten der Prüferinnen und Prüfer. Andererseits muss auch die fachliche Zusammensetzung stimmen. Hierbei spielen nicht nur die bisherigen beruflichen Kenntnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Rolle; vielmehr werden wir Prüfer und Berater bei der GPA NRW zielgerichtet in mindestens zwei Prüfungsgebieten qualifiziert.
Rückblende – einige Wochen vorher: Während bereits die Vorbereitungen zu der jetzt anstehenden Prüfung laufen, bin ich noch in einer anderen Kommune im Einsatz. Ich habe mich gerade mit dem Fachbereichsleiter einer Verwaltung verabredet, um mit ihm noch offene Fragen im Zusammenhang mit der Personal- und Kostenentwicklung sowie mit der Aufbauorganisation zu besprechen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich mit dem Leiter des Personalservices treffe. Regelmäßige Gespräche während der Prüfung sind meinen Kolleginnen sowie Kollegen und mir besonders wichtig. Dadurch stellen wir sicher, dass die untersuchten Kommunen ständig in den Prüfprozess eingebunden sind. Schließlich sollen unsere Ansprechpartner in den Städten und Gemeinden nicht erst durch den Prüfbericht erfahren, womit wir uns hier beschäftigen. Die Transparenz des Prüfgeschäfts erhöht die Akzeptanz meiner Arbeit.
So werde ich mich auch als Bürgermeister für mehr Transparenz und Offenheit bei den Bürgerinnen und Bürgern sowie bei den örtlichen Parteien einsetzen, damit die wichtigen Aufgaben der Verwaltung und des Rates bürgernah und verständlich werden.
Die Akzeptanz unserer Prüfung erreichen wir durch zahlreiche Gespräche vor Ort mit dem Bürgermeister, den Beigeordneten, Amts- und Fachbereichsleitern und den Sachbearbeitern. Diese und ein gründliches Studium der angeforderten Unterlagen bilden die Grundlage für die Feststellungen und Empfehlungen, die ich anschließend in dem Prüfbericht formuliere. Im Mittelpunkt des Berichts stehen konkrete, steuerungsrelevante Informationen zu noch nicht ausgeschöpften Wirtschaftlichkeitsspielräumen. Später, nachdem die geprüfte Stadt oder Gemeinde den Entwurf des Prüfberichts erhalten und diesen kommentiert hat, werde ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in einer Abschlusspräsentation dem Bürgermeister, Verwaltungsvorstand und den Vertretern der lokalen Politik vorstellen.
Attraktiv ist mein Beruf auch deshalb, weil ich aus jeder geprüften Kommune positive Handlungsweisen mitnehmen kann, die ich wiederum in anderen Städten und Gemeinden weiter kommuniziere. Hierdurch befinde ich mich persönlich in einem permanenten Entwicklungsprozess. Diese gesammelten Erfahrungen möchte ich als Bürgermeister für die Gemeinde sowie für die Bürgerinnen und Bürger einbringen.
Zurück ins Foyer des Rathauses: Unser Prüfteam ist komplett; gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Kommune werden die Büroräume, die in den nächsten rund fünf bis sechs Wochen die dienstliche Heimat darstellen, aufgesucht. Ich richte meinen neuen Arbeitsplatz ein und kläre letzte Details wie Büroschlüssel und der Haustechnik. Apropos Technik: Wenn ich unterwegs bin, habe ich nicht nur einen Prüfleitfaden im Gepäck, der die wesentlichen Arbeitsfelder beschreibt. Auch das Notebook, das mir via Internet die Möglichkeit bietet, mich in das Fachinformationssystem der GPA NRW einzuloggen und auf dem ich die Prüfberichte schreibe, ist mein ständiger Begleiter.
Mittlerweile ist es Mittag geworden: Die ersten Unterlagen sind gesichtet, die ersten Daten erhoben. Und gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen steht nun auch bereits der erste Gesprächstermin an, ein Treffen mit dem Bürgermeister und dem Verwaltungsvorstand. Gelegenheit, das anstehende Prüfprogramm vorzustellen. Der Terminkalender darf dabei nicht fehlen; sicher ergeben sich in den kommenden Tagen weitere Kontakte. Es werden viele Gespräche geführt und Unterlagen analysiert, die im Rahmen des Prüfberichts mit substanziellen Ergebnissen formuliert und im Rahmen der Schlussbesprechung wenige Wochen nach Abschluss der Prüfung präsentiert werden.